Fit für den Schüleraustausch!

Bin ich bereit für einen High School-Aufenthalt in Kanada?

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Mehrere Monate ohne die eigene Familie in einem anderen Land zu verbringen, ist eine große Herausforderung. Werde ich dem Alltag und Unterricht in einer anderen Sprache gewachsen sein? Komme ich mit der Gastfamilie klar? Wie lange dauert es, bis ich Freunde finde? Keine Sorge – all diese Fragen stellen sich jedem, der über ein Auslandsschuljahr nachdenkt. Solltest du unsicher sein, ob du dir das Abenteuer wirklich zutraust, ist für dich vielleicht ein Sprach-Camp oder eine Sprachreise das richtige. So schnupperst du schon einmal in ein neues Umfeld erin, lernst den englischsprachigen (oder französischsprachigen) Alltag kennen und entwickelst das Selbstbewusstsein, im kommenden Schuljahr für längere Zeit ins Ausland zu gehen.

Vielleicht bist du aber auch schon wild entschlossen, hast aber keine Ahnung, wie du das Thema am besten angehst. Sprich als erstes mit deinen Eltern über deine Vorstellungen, schließlich müssen sie dahinterstehen. Vielleicht besucht ihr gemeinsam eine Infoveranstaltung zum Thema Schulaufenthalt im Ausland, um euch einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen. Im nächsten Schritt solltest du dir darüber klar werden, wann du nach Kanada möchtest, wohin genau und wie du das bewerkstelligst. Die folgenden Informationen sollen dich dabei unterstützen.

Welche Schulform ist für mich die richtige?

Schulbesuch 2

In Kanada hast du die Auswahl zwischen öffentlichen High Schools und privaten bzw. unabhängigen Schulen, die sich wiederum unterteilen in Day Schools und Boarding Schools mit Internatsaufenthalt. Es gibt Boarding Schools nur für Jungen oder Mädchen, aber auch koedukative Internate.

Wenn es dir bei deinem Schüleraustausch darum geht, neue Leute zu treffen, die kanadische Kultur kennenzulernen und in ein anderes Schulsystem hineinzuschnuppern, könnte der Besuch einer öffentlichen Schule das richtige für dich sein. In diesem Fall lebst du in einer kanadischen Gastfamilie und besuchst, gemeinsam mit den einheimischen Teenagern, die örtliche High School. Du wählst dir deinen Schulbezirk aus und bewirbst dich dort. Wenn dir dein Wunsch-Schulbezirk einen Programmplatz anbietet, organisieren dir die zuständigen Homestay-Koordinatoren eine Gastfamilie.

Dir ist anspruchsvoller Unterricht, eine erstklassige Ausstattung und individuelle Förderung besonders wichtig und deine Eltern sind bereit, für einen höheren Standard einen höheren Programmpreis zu bezahlen? Dann passt eine private Tages- oder Internatsschule besser zu dir. Eine Private Day School organisiert dir ebenfalls einen Platz in einer Gastfamilie. In Boarding Schools werden die Schülerinnen und Schüler in Wohnhäusern, sogenannten Dorms, untergebracht und von Dorm Parents betreut. Oft teilen sich zwei Jungen oder Mädchen ein Zimmer, sodass man von Anfang an eine Bezugsperson hat. Der Alltag in den Internaten ist streng durchstrukturiert: Es gibt feste Ausgeh- und Bettzeiten, und die Schülerschaft besucht gemeinsam die Morgenversammlung, Gottesdienste sowie die Mahlzeiten in der Dining Hall. Dadurch entstehen Disziplin und ein besonderer Zusammenhalt, zwei Werte, die im Konzept renommierter Boarding Schools fest verankert sind.

Wer sich für eine Boarding School entscheidet, muss übrigens nicht auf kanadische Bräuche verzichten: Die Schulen organisieren Halloween-Partys, Thanksgiving-Dinners, Ski-Trips u.v.m.. Außerdem werden häufig auch die Feierlichkeiten der internationalen Schüler berücksichtigt, sodass du das chinesische Neujahr und viele andere kulturellen Gepflogenheiten kennenlernst.

Direkt bewerben oder mit Organisation?

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Wer schon weiß, in welchen Schulbezirk er möchte, kann sich dort auch auf direktem Wege bewerben. So spart man sich die Service-Gebühr der deutschen Austauschorganisation, muss sich aber auch selbst den Weg durch den (englischsprachigen) Papier-Dschungel bahnen, sich um alle Visa-Fragen kümmern und die Anreise selbst organisieren.

Grundsätzlich ist in Kanada das Internationale Programm jedes Schulbezirks, jeder Schule bestens organisiert und betreut. Es werden gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge angeboten, bei Fragen hast du immer erfahrene Ansprechpartner in deiner Nähe.

Bei Problemen mit der Gastfamilie oder in der Schule bist du also nicht auf dich allein gestellt, denn du kannst dich jederzeit an die kanadischen Betreuer wenden, die an deiner Schule für Internationals zuständig sind. Sie sind vertraut mit kulturellen Unterschieden und Konflikten, die daraus entstehen können. Bedenke aber, dass die Mitarbeiter dort in der Regel kein Deutsch sprechen.

Empfehlenswert ist die Direkt-Bewerbung und die private Organisation des Auslandsaufenthaltes für Familien, die bereit zur Eigenrecherche sind, vielleicht schon Auslandserfahrung gesammelt haben und die Kommunikation in englischer Sprache gewöhnt sind.

Wenn du die Unterstützung einer Schüleraustauschorganisation in Anspruch nehmen möchtest, berät dich ein Experte zunächst einmal hinsichtlich der Frage, welche Schule oder welcher Schulbezirk am besten zu dir passt. Im persönlichen Gespräch lernst du einen Mitarbeiter der Firma kennen, der sich ein genaues Bild von dir und deiner Familie macht. Eine gute, seriöse Austauschorganisation macht dir übrigens unverbindliche Schulvorschläge, bevor Kosten entstehen. Auf Nachfrage werden dir oftmals auch die Kontaktdaten ehemaliger Austauschschüler genannt, die dir von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Wenn du den Vertrag unterschrieben hast, beginnt die eigentliche Kundenbetreuung. Du wirst bei der Bewerbung, der Beantragung des Visums und bei der Flugbuchung unterstützt. Je nach Konzept lernst du auf Vorbereitungstreffen andere zukünftige Austauschschüler kennen und wirst mit ihnen gemeinsam auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet. Während des eigentlichen Aufenthaltes stehen dir erfahrene Mitarbeiter bei Fragen oder Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung. Viele Familien sind dankbar für die Hilfe beim Ausfüllen der verschiedenen Unterlagen und finden es wichtig, jederzeit auf Deutsch mit jemandem sprechen zu können. Bei Konflikten mit der kanadischen Gastfamilie oder dem Schulbezirk vermittelt die Austauschorganisation mit dem nötigen Feingefühl, um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden.

In welchem Schuljahr und für wie lange?

Schulbesuch 4

Der beste Zeitpunkt für einen High School-Aufenthalt: Welcher Zeitpunkt in der Schullaufbahn für einen High School-Aufenthalt geeignet ist, hängt davon ab, in welchem Bundesland du zur Schule gehst und ob 12 oder 13 Schuljahre bis zum Abitur vorgesehen sind. In den meisten Bundesländern wird G8-Schülern empfohlen, während der zehnten Klasse ins Ausland zu gehen. Auf diese Weise verpassen sie keinen Unterricht in der Qualifizierungsphase der Stufen 11 und 12. Manche fühlen sich schon früher reif genug und verbringen beispielsweise das zweite Schulhalbjahr der 9. Klasse an einer High School. Wenn du vorhast, das Schuljahr nach dem Auslandsaufenthalt zu wiederholen oder eine G9-Schule besuchst, gehst du am besten nach der 10. Klasse nach Kanada. Auch für Realschülerinnen und -schüler bietet es sich an, zunächst die mittlere Reife abzuschließen und danach einen High School-Aufenthalt einzulegen.

Welche genauen Regelungen für den Auslandsaufenthalt und Versetzungsrichtlinien für dich gelten, recherchierst du am besten beim Kultusministerium deines Bundeslandes. Denn die solltest du in der aktuellen Fassung kennen, bevor über den Zeitpunkt und die Dauer des Schulbesuchs in Kanada definitiv entschieden wird. Dabei sind Aufenthalte von 3 oder 5 Monaten z. B. im ersten Halbjahr der Stufe 10 unter G8-Bedingungen in aller Regel völlig unproblematisch - was die Beurlaubung betrifft, aber auch den Wiedereinstieg nach deiner Rückkehr in dieselbe Jahrgangsstufe. Am besten vereinbarst du mit dem zuständigen Lehrer an deiner deutschen Schule frühzeitig einen Gesprächstermin, um alle Fragen rund um die Beurlaubung zu klären. Vielleicht hat deine Schule auch eine Sonderregelung und Ermessensspielräume bei bestimmten Fragen (z. B. beim Erwerb des Latinums) oder kann dich bei der Vorbereitung unterstützen.

Auf der Website der Kultusministerkonferenz (KMK) gibt es darüber hinaus eine Zusammenstellung von Links, unter denen die einzelnen Kultusministerien der Bundesländer Informationen zum Schüleraustausch bereithalten: https://www.kmk-pad.org/service/laenderinformationen.html

Schüleraustausch nach dem Schulabschluss: Du bist bereits in der Qualifizierungsphase und würdest gern nach dem Abitur eine kanadische High School besuchen? Dies ist insbesondere für Jugendliche interessant, die schon mit 16 oder 17 Jahren das Abitur ablegen oder während der Schulzeit den geeigneten Zeitpunkt für einen High School-Aufenthalt verpasst haben. Einige Schulbezirke nehmen auch Bewerber an, die den endgültigen Schulabschluss bereits in der Tasche haben.

Ein Term, ein Semester, ein Schuljahr oder länger? „Wenn du ins Ausland möchtest, lohnt es sich nur für ein ganzes Schuljahr.“ Diese und andere Pauschalaussagen bringen niemanden weiter, denn bei der Entscheidung, wie lange du nach Kanada möchtest, spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle. So solltest du zum Beispiel beachten, was deine deutsche Schule empfiehlt, wie hoch das Budget deiner Eltern ist und natürlich, womit du dich selbst am wohlsten fühlst. Viele Jugendliche bewerben sich beispielsweise zunächst einmal für ein Semester und halten sich die Option offen, den Aufenthalt zu verlängern (was dann auch oft geschieht). Andere sagen von Anfang an, dass sie nur drei Monate ins Ausland wollen, was vollkommen in Ordnung ist. Auch in dieser Zeit erlebt man viel Neues, verbessert seine Englischkenntnisse und schnuppert in das kanadische Schulsystem hinein.

Ein ganzes Schuljahr in Kanada zu verbringen, hat jedoch unbestritten viele Vorteile. Nach der Eingewöhnungsphase, die bei manchen Schülerinnen und Schülern von Sprachunsicherheiten und Heimweh begleitet wird, folgt bei einem Jahresaufenthalt eine besonders lange Wohlfühlphase (weitere Informationen zu den Phasen des Aufenthaltes gibt es hier). Term- oder Semesterschüler sagen im Nachhinein häufig, dass, sobald sie sich richtig eingelebt haben, der Abschied schon näher rückte. Bleibst du zehn Monate in Kanada, kannst du fast alle wichtigen Ereignisse des Kalenderjahres miterleben, wie beispielsweise Thanksgiving, Weihnachten und Prom. Du erhältst einen tiefen Einblick ins Schulsystem, kannst viele Fächer und Sportarten ausprobieren und tiefgründige Freundschaften knüpfen.

Sprachliche Vorbereitung

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In den Wochen und Monaten vor der Abreise nach Kanada solltest du so viel Englisch wie möglich sprechen, hören und lesen. Schau deine Lieblingsserie ohne deutsche Synchronisierung, lies Bücher im englischen Original und höre genau auf die Liedtexte im Radio. Besonders hilfreich ist es, wenn du dir Vokabellisten zu Alltagsthemen (Restaurantbesuch, Flughafen, Haushalt) sowie Schulfächern (vor allem Mathematik und Naturwissenschaften) anlegst und die Begriffe lernst. So bist du gut gewappnet, wenn du am kanadischen Flughafen Fragen hast oder am ersten Schultag mit dem Guidance Counselor deinen Stundenplan besprichst.

Das Leben in der Gastfamilie

So werden aus Fremden richtig gute Freunde

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Beweggründe einer Gastfamilie: Du fragst dich, warum eine Familie einen Gastschüler oder eine Gastschülerin aus einem anderen Land bei sich aufnimmt? Nun, sie tut es aus dem gleichen Grund, aus dem du dich für einen Auslandsaufenthalt interessierst. Sie möchte neue Erfahrungen machen, eine andere Kultur kennenlernen und ihre eigene Kultur vermitteln. Kanadier sind stolz auf ihr Land und freuen sich, anderen Menschen ihr Zuhause, die kanadische Natur und ihre Lebensweise näherzubringen. Viele haben nicht die Zeit oder die Möglichkeiten, in andere Länder zu reisen. Abgesehen von den USA hat Kanada kein direktes Nachbarland, sodass lange Flugreisen notwendig sind, um nach Mexiko oder sogar auf einen anderen Kontinent zu gelangen. Also holen die Kanadier sich die weite Welt eben nach Hause! Gerade deutsche Austauschschüler sind bei den Gastfamilien beliebt, denn sie haben bereits gute Sprachkenntnisse und gelten allgemein als offenherzig und freundlich. Dass die Gastfamilien eine Aufwandsentschädigung für die Aufnahme eines internationalen Schülers erhalten, sollte dir keine Kopfschmerzen bereiten. Hat deine Familie schon einmal jemandem für mehrere Monate Kost und Logis zur Verfügung gestellt, ohne einem finanziellen Ausgleich zu erhalten? Die Lebenskosten sind in Kanada außerdem relativ hoch – gerade Lebensmittel sind vergleichsweise teuer.

Das perfekte Match? Wenn du dich bei einem Schulbezirk bewirbst, musst du viele Unterlagen ausfüllen, auf deren Grundlage dann eine Gastfamilie gesucht wird. In einem Brief an die potenzielle Gastfamilie kannst du schreiben, was du dir von dem Kanada-Aufenthalt erhoffst, wie dein aktuelles Leben aussieht und womit du dich gern beschäftigst. Die Homestay-Koordinatoren versuchen dann, eine Gastfamilie für dich zu finden, von der sie glauben, dass sie gut zu dir passt. Stellst du dich als sportlich und vielseitig engagiert dar, stehen die Chancen gut, in eine ebenfalls aktive Familie zu kommen. Sei aber nicht enttäuscht, wenn der erste Eindruck nicht dem entspricht, was du dir vorgestellt hast. Die Gastfamilien entsprechen nicht immer dem „Standardmodell“ Mutter-Vater-gleichaltriges Kind, sondern können auch aus einem älteren Ehepaar, einer alleinerziehenden Mutter mit ihren Kindern oder einer Großfamilie bestehen. Manchmal nimmt eine Familie auch zwei internationale Schüler auf, sodass man die Gelegenheit bekommt, neben der kanadischen noch die kolumbianische, taiwanesische oder norwegische Kultur kennenzulernen. Am besten ist es, du gehst mit einer positiven Grundeinstellung an das Thema Gastfamilie heran. Empfehlenswert ist es, schon vor der Abreise mit der Gastfamilie E-Mails auszutauschen oder, noch besser, zu skypen. Spätestens, wenn du die Familienmitglieder erst einmal persönlich kennengelernt hast, verschwinden mögliche Unsicherheiten oder Vorurteile wie von selbst.

Die Ankunft: Du stehst am Zielflughafen, geschafft, aber erleichtert, dass alles gut geklappt hat. Nun geht das Herzklopfen los. Was, wenn die Gastfamilie sich verspätet oder ich sie nicht erkenne? Sie werden es sich doch wohl nicht anders überlegt haben? Doch da siehst du sie, mit einem bunten Plakat, das dich in Kanada willkommen heißt. Sie kommen auf dich zu, nehmen dir deine Taschen ab und umarmen dich nacheinander herzlich. So oder so ähnlich läuft sie ab, die erste Begegnung mit deiner Gastfamilie. Auch wenn du müde von langen Flug bist und dich Rückenschmerzen quälen: Es ist wichtig, einen wirklich guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Reiß dich also zusammen und strahle, was das Zeug hält!

Die Anfangszeit: In der Regel wirst du, je nach Ankunftszeit und Müdigkeitsstatus, am ersten oder zweiten Tag in der neuen Umgebung herumgeführt. Dir werden dein Zimmer und andere Bereiche deines neuen Zuhauses gezeigt, und vielleicht dreht ihr auch schon eine Runde in der Nachbarschaft. Vielleicht fahrt ihr auch gemeinsam in die nächste Mall, um erste Einkäufe für dich zu erledigen und evtl. eine Lösung für die Handy-Frage zu organisieren (Tipps zum Thema Handy). Du solltest gleich in der ersten Zeit herausfinden, welche Erwartungen die Gasteltern an dich haben. Gibt es bestimmte Familienregeln, die du kennen musst? Sollst du deine Wäsche selbst waschen und wenn ja, wie funktioniert die Waschmaschine? Darfst du dich ungefragt am Kühlschrank bedienen, und musst du zu bestimmten Uhrzeiten zu Hause sein? Es ist gut, solche Dinge direkt am Anfang zu klären, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Selbstverständlich solltest du dich insgesamt höflich, hilfsbereit und interessiert an den Familienaktivitäten zeigen. Einige Gewohnheiten der Gastfamilie werden dir vielleicht komisch vorkommen. So ist es in Nordamerika ganz normal, dass der Fernseher ununterbrochen läuft, auch wenn niemand auf das Programm achtet. Manche Familie lassen stets in allen Räumen das Licht an, beten vor dem Essen oder erwarten, dass du und deine Gastgeschwister im Teenager-Alter Freunde im Wohnzimmer empfangt, anstatt mit ihnen in euer Zimmer zu gehen. Respektiere diese Gewohnheiten und Regeln und betrachte sie als Teil der Erfahrung.

Probleme mit der Gastfamilie: Wenn du dich bei deiner Gastfamilie nicht wohlfühlst, solltest du mit deinem Betreuer oder deiner Betreuerin darüber sprechen. Vielleicht handelt es sich um ein Missverständnis und er oder sie kann vermitteln; Notfalls muss ein Gastfamilienwechsel organisiert werden. Erfahrungsgemäß geht das in Kanada recht schnell und wird stets innerhalb des Schulbezirks gemacht, damit du weiterhin die gleiche Schule besuchen kannst. Ein Gastfamilienwechsel ist kein Weltuntergang! Den allermeisten Austauschschülern geht es bei der neuen Familie bedeutend besser als zuvor – vielleicht auch, weil die Erwartungshaltung realistischer ist als zuvor.

Alltag und Aktivitäten mit der Gastfamilie: Wenn aber alles in Ordnung ist, wirst du mit deiner Gastfamilie vielleicht sogar eine zweite Familie fürs Leben finden. Welchen Aktivitäten Kanadier besonders gerne nachgehen, kannst du hier nachlesen. Deine Gastfamilie freut sich aber sicherlich auch, wenn du von dir aus Vorschläge für die Freizeitplanung einbringst oder selbständig etwas zum Familienleben beisteuerst. Wie wäre es, wenn du deinem Gastvater zeigst, wie man Thüringer Bratwürste grillt, deinen Gastgeschwistern ein bisschen Deutsch beibringst oder ein Ausflugsziel recherchierst? Sollte deine Gastfamilie es jedoch bevorzugen, am Wochenende die Füße hochzulegen, mach dich auf die Suche nach anderen Gelegenheiten, etwas zu erleben. Die Nachbarn haben erzählt, dass sie bald Campen gehen wollen oder eine Schulfreundin plant mit ihren Eltern einen Trip in einen Freizeitpark? Frag einfach, ob du sie begleiten kannst! Du allein hast es in der Hand, aus deinem Kanada-Jahr das Beste herauszuholen.

Das Leben an der Boarding School

Ein ganz neues Schul-Feeling

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In den ersten Tagen bist du vermutlich erstmal überwältigt von dem weitläufigen Schulcampus, den imposanten Gebäuden und deren erstklassiger Ausstattung. Mitschüler kommen auf dich zu, erste Kontakte werden geknüpft. Jeder trägt Schuluniform und das mit Stolz. Für die Neuen, z. B. internationalen Schüler wie dich, gibt es eine Orientierungsveranstaltung, bei der u. a. erfährst, wo der Speisesaal, die Bibliothek und andere wichtige Räumlichkeiten sind, an wen du dich bei Fragen wendest und wo du wann zu sein hast. Neben den offiziellen Verhaltensregeln kriegst du auch schnell mit, welche unausgesprochenen Sitten an deiner Schule gelten.

Zu Beginn könnte es für dich ungewohnt sein, praktisch nie einen Moment für dich zu haben. Die Mahlzeiten werden gemeinsam mit den Mitschülern und Lehrkräften eingenommen, Unterricht, Sport und Hausaufgaben finden natürlich ebenfalls in Gruppen statt, und außerdem teilt man sich ein Zimmer mit einem Room Mate, der Kanadier oder ebenfalls ein internationaler Schüler sein kann. Man ist den ganzen Tag mit Gleichaltrigen zusammen und hat immer etwas zu tun. Das ist der zweite Punkt, der sich vermutlich von deinem bisherigen Leben in Deutschland unterscheidet: Das Unterrichtspensum ist hoch und die Kurse anspruchsvoll, sodass du viel Zeit mit Lernen, Hausaufgaben und Projektarbeiten zubringst. Bald jedoch wirst du merken, dass dieses Konzept es einem praktisch unmöglich macht, sich zu langweilen oder gar Heimweh zu empfinden.

Tagesablauf an der Boarding School und Aktivitäten: Der Tag an einer Boarding School ist in strikte Zeitfenster eingeteilt. Die Dorm Parents achten darauf, dass das Zusammenleben im Wohnhaus funktioniert und die Zimmer in Ordnung gehalten werden. Sie werden dabei von älteren, ausgewählten Schülerinnen und Schülern, den Prefacts, auch Head Boys oder Head Girls genannt, bei organisatorischen Dingen unterstützt. Ab etwa 7:30 Uhr findet das Frühstück in der Dining Hall statt. Es gibt Cornflakes, Toast, Eier und vielleicht auch Pancakes. An konfessionell geprägten Schulen findet wöchentlich oder sogar täglich eine kurze Morgenandacht in der schuleigenen Kapelle statt, andere Internate legen dann eine Schulversammlung ein, auf der Neuigkeiten verkündet werden, Schüler für besondere Leistungen geehrt werden oder auch eine kurze Musik-Performance stattfindet.

Kurz darauf beginnt der Unterricht. Bis zur Lunch-Pause gegen 12:30 Uhr haben die Schülerinnen und Schüler kaum Gelegenheit, durchzuatmen. Nach der einstündigen Mittagszeit, bei der man die Wahl zwischen verschiedenen Kleinigkeiten oder Tagesmenüs hat, geht es weiter mit Unterrichtsstunden. Gleich im Anschluss beginnen Training oder andere extracurriculare Aktivitäten – mit ihren erstklassig ausgestatteten Musikbereichen und Sportstätten sorgen die Boarding Schools für einen Ausgleich zum vielen theoretischen Lernen. Am späten Nachmittag ist dann für alle Schüler Study Hall angesagt, das heißt im Wohnheim oder in der Bibliothek werden die umfangreichen Hausaufgaben erledigt.

In den Abendstunden steht, neben Dinner, weiterem Lernen auf den Zimmern und noch ein wenig Relaxen im Gemeinschaftsraum, nicht mehr viel an. Je nach Alter ist gegen 22 oder 23 Uhr Bettruhe und „Lights out“ angesagt.

Die Wochenenden verlaufen zumeist entspannter als die Schultage. Je nachdem, was in der Umgebung der Schule geboten wird, gehen die Jugendlichen in kleinen Gruppen in die nächste Ortschaft, um einen Kinofilm zu sehen, zu bummeln oder einfach in einem Café zu entspannen. Liegt ein See in der Nähe, kann man Wassersport betreiben, schwimmen gehen oder einfach am Ufer die Seele baumeln lassen. Selbstverständlich stehen Tenniscourts, Fußballplatz und Fitnessraum auch samstags und sonntags zur Verfügung. Wer einer Mannschaft angehört, spielt am Wochenende gegen gegnerische Teams anderer Schulen. Das Wochenende bietet auch die gute Gelegenheit, sich zu Hause zu melden und zu erzählen, wie vollgepackt die Tage sind und wie viel man erlebt.

Hat man sich erst einmal an den Alltagsrhythmus und die Anforderungen gewöhnt, fühlen sich Internatsschüler in der internationalen Gemeinschaft schnell sehr wohl. Auch die Tatsache, dass man sich mit jemand anders ein Zimmer teilt, wird von Boarding-Schülern als Vorteil angesehen, selbst wenn sich nicht immer eine enge Freundschaft, sondern eher eine Zweckgemeinschaft entwickelt. Und klappt es doch mal nicht mit dem Miteinander, spricht man mit seinem Dorm Parent – notfalls wird auch mal das Zimmer gewechselt. Die Kurswahl wird zum Schuljahresbeginn mit dem Director of Academics besprochen und bei schulischen Schwierigkeiten gibt es jederzeit von deinen Lehrern Unterstützung. Etliche der Lehrkräfte wohnen mit ihren Familien ebenfalls auf dem Campus und sind praktisch jederzeit ansprechbar. Sie nehmen sich viel Zeit für ihre Schüler und geben Nachhilfe, bis man den Stoff verstanden hat. An Boarding Schools steht die individuelle Förderung jedes Einzelnen im Mittelpunkt!

Phasen des Aufenthaltes

Von Abreise bis Heimkehr: Höhen und Tiefen

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Kulturschock: Bei vielen Menschen, die einen Neustart in einer völlig neuen Umgebung wagen, ähneln sich die Phasen der Gefühlszustände, die sie im Laufe des Auslandsaufenthaltes erleben. Amerikanische Anthropologen haben dieses Phänomen, allgemein unter dem Begriff „Culture Shock“ bekannt, in den 1950er Jahren untersucht und ein Modell entwickelt, dass die Phasen des Auslandsaufenthaltes anschaulich wiedergibt. Schema, z. B. https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturschock#/media/File:Kultscho.png Natürlich verläuft diese Gefühlsentwicklung nicht bei allen Austauschschülern gleich. Manche fühlen sich von Anfang an pudelwohl im Gastland, andere haben immer wieder mit Tiefs zu kämpfen. Nichts desto trotz sind häufig Parallelen zu erkennen und es hilft, dir bei Unsicherheiten oder Heimweh klarzumachen, dass du damit nicht alleine bist.

Honeymoon-Phase: In den ersten Tagen und Wochen fühlen sich viele Gastschüler regelrecht euphorisiert: Die vielen neuen Eindrücke hauen einen um, die Straßen, Häuser und die Landschaft begeistern, und dazu kommt, dass scheinbar alle Kanadier wahnsinnig freundlich, rücksichtsvoll und interessiert an dir sind. Du bist offen und neugierig auf alles, was dich in nächster Zeit erwartet. Negative Dinge fallen zunächst gar nicht auf oder werden als exotisch oder charmant bewertet.

Ernüchterung: Nach einiger Zeit weicht die anfängliche Begeisterung einer Phase der Ernüchterung. Während dein Umfeld sich an deine Anwesenheit bereits gewöhnt hat und wieder in den Alltagsmodus zurückkehrt, lauert bei dir die Phase des Einlebens länger. Mitschüler, die dich am Anfang neugierig umringt haben, kommen jetzt nicht mehr auf dich zu. Von den Gasteltern wirst du nicht mehr aufmerksam umsorgt, vielmehr erwarten sie von dir, dass du dir selbst dein Frühstück zubereitest und dich an der Hausarbeit beteiligst. Dir fallen immer mehr Dinge auf, die dich stören: Das Brot schmeckt nicht so gut wie zu Hause, draußen ist es viel zu kalt, der Englischlehrer spricht in einem viel zu schnellen Tempo und überhaupt fühlt sich alles schwierig und anstrengend an. In dieser Phase bist du besonders verletzlich, neigst zu Heimweh und sprichst womöglich viel mit deinen Eltern oder schreibst mit deinen Freunden in Deutschland. Auch wenn es schwerfällt: Mach dir klar, dass dich das negative Denken und der Kontakt mit der Heimat nicht weiterbringen – im Gegenteil. Ständig in sozialen Medien zu verfolgen, auf welchen Partys sich deine Freunde zu Hause vergnügen, macht dich ebenfalls nur traurig. Dagegen hilft: Ablenken und aktiv werden!

Erholung – So kämpfst du dich wieder hoch: Mach dir bewusst, dass fast jeder, der diese Ernüchterungsphase erlebt, auch wieder herausfindet. Konzentriere dich auf das, was du dir für deinen Kanada-Aufenthalt vorgenommen hast und auf das Leben vor Ort. Such dir Beschäftigungen und nimm jede Gelegenheit wahr, etwas zu unternehmen. Dein Gastvater muss ein paar Besorgungen im Baumarkt erledigen? Begleite ihn doch einfach, zumindest lernst du so nebenbei ein paar neue Fachvokabeln. Deine kleine Gastschwester tritt mit ihrem Team gegen eine andere Mannschaft an? Sicherlich freut sie sich, wenn du sie vom Spielfeldrand aus anfeuerst. Wenn dich jemand fragt, ob du ihn oder sie zur Jugendgruppe der Kirche, in den Supermarkt oder sonst wohin begleitest, sag einfach immer „ja“. Auf diese Weise lernst du neue Leute kennen und sammelst Erfahrungen – dafür bist du schließlich nach Kanada gekommen. Wenn die ganze Ablenkung nicht hilft, teile deine Sorgen und Gedanken mit deiner Gastfamilie, der Betreuerin oder neu gewonnenen Freunden. So baut ihr ein Vertrauensverhältnis auf und du lernst, Probleme selbst zu lösen, anstatt immer deine Eltern um Rat zu fragen. Im Übrigen wird dir dabei auch die Zeitverschiebung in die Quere kommen: Überlege also lieber zweimal, ob du deine Eltern mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißt – sie können nicht immer einschätzen, ob du ein wirkliches Problem hast oder es sich vielleicht nur eine Kleinigkeit handelt, die dich eine halbe Stunde später nicht mehr beschäftigt.

Anpassungsphase: Mit der Zeit wird alles leichter – hilfreich ist vor allem, dass du und deine Gastfamilie euch an das Zusammenleben gewöhnt habt und aus einigen Bekanntschaften aus Schule, Sport oder Kirche richtige Freundschaften geworden sind. Mittlerweile hast du dir abgewöhnt, alle Gegebenheiten mit denen in Deutschland zu vergleichen und zu bewerten. Du verstehst, warum die Menschen um dich herum auf bestimmte Weise handeln und stellst erfreut fest, dass man dich inzwischen manchmal für einen Muttersprachler hält. Kurz gesagt: Du hast dich in der neuen Kultur integriert. Vielleicht kommt dir auch ab und zu der Gedanke, dass die Zeit in Kanada schneller umgeht als gedacht, und du noch viele Dinge erleben und ausprobieren möchtest. Schmiede also Pläne und setze sie in die Tat um!

Kleine Tiefs: Zwischendurch wird es immer wieder Momente geben, in denen du deine Eltern, Geschwister und Freunde besonders vermisst. Zu Weihnachten etwa, wenn deine Mutter leckere Kartoffelklöße zubereitet und die ganze Familie gemütlich beisammen sitzt. Vielleicht feiert dein bester Freund eine große Geburtstagsparty, bei der du nicht dabei sein kannst, oder deine Fußballmannschaft fährt ins Trainingscamp nach Spanien. Inzwischen wird es dir aber leichtfallen, dich dann wieder auf dein Leben in Kanada zu beginnen. Wie wäre es, wenn du deinen Gastgeschwistern in der Vorweihnachtszeit zeigst, wie man Plätzchen backt? Lade ein paar Freunde zu einem Sleepover ein oder mach bei einem Ausflug mit, den dein Schulbezirk in die nächste Großstadt oder einen Nationalpark organisiert.

Der Abschied: Je näher die Rückkehr nach Deutschland rückt, desto verwirrender wird das Gefühlsbad. Einerseits freust du dich natürlich darauf, deine Familie und Freunde wiederzusehen. Viele Austauschschüler können es kaum erwarten, wieder im eigenen Bett zu schlafen, selbständig mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein oder wieder bestimmte Lebensmittel essen zu können. Doch gleichzeitig ist einem klar, dass man die kanadischen Freunde, Lehrkräfte und natürlich die Gastfamilie eine lange Zeit, manche Bekannte vielleicht nie mehr wiedersehen wird. Es ist schwer vorstellbar, wieder von dort wegzugehen, gerade jetzt, wo du dich so gut eingelebt hast. Hilfreich ist es, frühzeitig kleine Abschiedsgeschenke vorzubereiten und dich, zum Beispiel am letzten Schultag, von allen zu verabschieden. Vielleicht erlaubt die deine Gastfamilie auch, eine kleine Farewell-Party zu geben.

Umgekehrter Kulturschock: Ein Phänomen, mit dem viele Rückkehrer nicht rechnen, ist der umgekehrte Kulturschock. In Deutschland angekommen, wirst du, wie zu Beginn in Kanada, eine Honeymoon-Phase erleben. Alle freuen sich, dich wiederzusehen, dein Lieblingsessen wird gekocht und du kannst viele Dinge nachholen, die du in den letzten Monaten vermisst hast. Doch bald wird dir klar, dass sich zu Hause nichts verändert hat – im Gegensatz zu dir selbst. Deine Geschwister schauen dich schief an, wenn dir ein deutsches Wort nicht einfällt, deine Lehrer zeigen wenig Interesse an deinen Erlebnissen und manche Freunde werfen dir vor, dass du abgehoben bist. Du bist traurig, dass ihr nicht mehr auf einer Wellenlänge zu sein scheint und hast das Gefühl, du bist der oder die Einzige, der sich weiterentwickelt hat.

Reintegration: Keine Sorge, auch diese Phase geht natürlich vorbei. Bald passt du dich wieder deiner Umgebung an, ohne ständig alles zu bewerten. Der Unterschied zu vorher: Jetzt gibt es zwei Orte auf der Welt, die du dein Zuhause nennst.